Auto & Straße, Radverkehr, Verkehrsplanung

St. Ingbert blamiert sich (erneut) bei der Verkehrswende

Reif für den „Irrsinn der Woche“?

In dieser Woche geht eine – aus Sicht des VCD – völlig abstruse Straßen-Neugestaltung in St. Ingbert in Betrieb.

 

Worum geht es:

in der Mittelstadt St. Ingbert wurde die bisherige Einbahnstraße „Kohlenstraße" endlich für den Verkehr in beiden Richtungen umgebaut. 
Damit hat die Stadt gute Voraussetzungen, den innerstädtischen Verkehr neu zu strukturieren und die Belastung an vielen Kreuzungen und Straßen zu reduzieren. 
Ebenso ist nun die Grundlage gelegt, den Kaiserradweg zu realisieren.

Soweit, so gut. 

Aber: Lange Liste von Kritikpunkten

Die Bürgerinitiative „Stadt für alle“ sowie die Verbände VCD und ADFC „fühlen sich ziemlich veräppelt“:
Zunächst wird bemängelt, dass in St. Ingbert eine Bürgerbeiteiligung „systematisch unterbleibt“.
Außerdem wird der Fahrradverkehr wurde gekonnt und konsequent ignoriert: Keine Fahrradinfrastruktur auf der neuen Straße, ein lächerlicher Feigenblatt-Radweg von ca. 100 m in einer Parkanlage, der unvermittelt endet, mit Zufußgehenden geteilt werden muss und zu schmal ist.
Und der Skandal ist: Vieles wurde aus Förderungen für Maßnahme für den Radverkehr finanziert.

Weitere Punkte: 
Statt Tempo 30 – wie laut mehrerer Lärmschutzgutachten überfällig – macht die Straße eher den Eindruck einer „Stadtautobahn“. – 
St. Ingbert leidet seit Jahren an eine Übermotorisierung mit 842 PKW pro 1000 Einwohnern – auch jetzt keine Ansätze einer „Verkehrswende. Und mehr

 

Der VCD halt eine lange Liste an Kritikpunkten zusammengestellt:

 

Verkehrsplanung

St. Ingbert: Straßenneugestaltung mit vielen Kritikpunkten

 

Zur Eröffnung der umgestalteten Kohlenstraße in der Mittelstadt St. Ingbert stellt der Verkehrswendeclub VCD e. V. fest:

  • Öffnung der Einbahnstraße für beide Richtungen gelungen, Bürgerkonzept „Stadt für alle“ jedoch weder verstanden noch umgesetzt
  • Radverkehrsförderung zweifelhaft: Radinfrastruktur erstmals auch mit Fahrbahnmarkierungen, jedoch ohne Bedienungsanleitung kaum nutzbar
  • Rad- und Fußverkehr müssen neu gebauten Weg gemeinsam nutzen, der nicht den Normen entspricht; Radfahren auf der Fahrbahn laut Beschilderung nicht mehr statthaft (!)
  • Kraftverkehr weiterhin im Vordergrund: Beschleunigung und insbesondere die Abbiegespuren verzehren den Straßenraum unnötig.
  • Die aus Sicherheits- und Lärmschutzgründen gebotenen Ausweisung von Tempo 30 bleibt auf der Strecke.
  • Die innerstädtische, meist zweistreifige „Stadtautobahn“ passt nicht zum Anwohner- Bedürfnis nach Aufenthaltsqualität, urbane Attraktivität und Entschleunigung – Sie steht im Widerspruch zur Entwicklung in Europa.
  • Der Einsatz von Fördermitteln für Radverkehr für die Kohlenstraße ist zumindest zweifelhaft.
  • Wichtige innerstädtische Parkplätze weiterhin nur über Poststraße erreichbar (entgegen Vorschlag der Bürgervereinigung „Stadt für alle“)
  • Eine Abstimmung des Straßenraumkonzeptes mit den Bürgerinnen und Bürgern blieb aus.
  • St. Ingbert festigt damit seien Ruf als Verschlusskommunikator und Transparenzverweigere bei der Verkehrsplanung, wie vor zehn Jahren mit dem Negativ-Preis „Starre Pedale“ ausgezeichnet.

 

Der VCD begrüßt, dass die Gegenläufigkeit der ehemaligen Einbahnstraße nun endlich erreicht sei.

 

Damit hat St. Ingbert gute Voraussetzungen, den innerstädtischen Verkehr neu zu strukturieren und die Belastung an vielen Kreuzungen und Straßen, u. a. Wendlings Eck, Kohlenstraße, Saarbrücker Straße, Poststraße zu reduzieren. Ebenso ist nun die Grundlage gelegt, den Kaiserradweg zu realisieren.

 

Ein Umdenken in der Verkehrspolitik St. Ingberts ist überfällig. Andernfalls bleibt die Stadt mit ihren 842 Kraftfahrzeugen je 1000 Einwohner weiter trauriger Spitzenreiter bei der Mobilität. Das ist doppelt so hoch wie die Autodichte z. B. in Berlin. Die Fahrzeuge St. Ingberts aneinandergereiht ergäbe eine Staulänge von St. Ingbert bis ins Rhein-Main-Gebiet. Im Evakuierungsfall der Stadt müsste niemand auf der Rückbank sitzen. – Verkehrswende sieht anders aus.

 

 

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