Erfahrungsbericht von Andreas Meiser
Wenn um 5:00 Uhr der Wecker klingelt, beginnt mein tägliches Ritual. Um 5:30 Uhr sitze ich auf dem Fahrrad. 18 km sind es von Rohrbach zum Klinikum, die Kaiserstraße ist eine der wenigen gut befahrbaren Alltagsrouten für Radfahrende. Ohne Motor bräuchte ich 75 min, mit Unterstützung sind es 50 min - eine klare Entscheidung fürs E-Bike! Nach dem Duschen beginnt um 7:00 mein Arbeitstag mit der ersten Visite; Frühstück gibt es am Schreibtisch. Seit es ein Dienstzimmer für die Rufbereitschaft gibt, habe ich mein Auto komplett abgeschafft.
Die Situation für Radfahrende am Klinikum
Früher gab es kaum Möglichkeiten, das Rad trocken und sicher abzustellen. Geländer und Laternenpfähle dienten als Notlösung zum Anschließen; Im Sommer prallte die Sonne auf den Akku (Brandgefahr!), und bei Regen wurde das Rad regelmäßig nass. Mittlerweile gibt es überall genug überdachte Radabstellanlagen, wo man das Rad mit dem Rahmen fest anschließen kann. Auch Lade- und Reparaturstationen wurden installiert (Siehe Fotos)
Dienstradleasing: endlich möglich
Für das Dienstradleasing haben wir jahrelang gekämpft – nun ist es da. Beim Leasing kommen noch Kosten für Versicherung, Wartung etc. hinzu. Ob sich das im Einzelfall lohnt? Für Vielfahrer auf jeden Fall! Seit diesem Jahr ist es endlich so weit, der Andrang ist groß, über hundert Mitarbeiter freuen sich bereits über ein neues, hochwertiges Rad.
Auch ich habe ein zweites E-Bike geleast: Ein leichtes Gravelbike mit kleinem Akku, das auf glatten Straßen fast von alleine rollt und mich acht Minuten schneller zur Arbeit bringt. Mein bewährtes 40.000-km-Rad nutze ich weiter fürs Gelände und als Ersatzrad.
Neun Jahre Fahrrad-Pendeln: Meine persönliche Bilanz
Trotz Kosten für Wartung und Reparaturen spare ich durch den Verzicht aufs Auto jährlich mehrere Tausend Euro. Auf dem Nach-Hause-Weg kann ich prima abschalten und den Kopf freibekommen. Bekannten winke ich zu oder bleibe kurz stehen – das hebt die Laune. Der Stau bleibt links liegen, das gibt ein Gefühl von Freiheit. Auch körperlich lohnt es sich: Ich esse viel, halte aber mein Gewicht und bin deutlich seltener krank als der Durchschnitt. Abends bin ich müde und falle ins Bett.
Der Zeitaufwand gegenüber Autofahren ist mit zweimal 20 Minuten pro Tag überschaubar; Duschen in der Klinik ist zeitlich kein Nachteil. So integriere ich Sport fest in meinen Alltag, was mir als vielbeschäftigte Person sonst schwerfallen würde.
Mit der richtigen Kleidung ist schlechtes Wetter kaum ein Hindernis. Handschuhe halten die Hände warm, eine Überziehhose bei Regen die Füße trocken. Sichtbarsein durch helle, reflektierende Kleidung und gute Beleuchtung beugen Unfällen vor. Nur bei Glatteis steige ich um: - dann nutze ich Mitfahrgelegenheiten, Bahn und Bus, oder das Auto meiner Frau.
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Allerdings bleibt ein zentrales Problem: fehlende Radwege. Am Klinikum gibt es teilweise nicht einmal Bürgersteige - die Parkflächen für Autos aber nehmen mehr Raum in Anspruch als die Gebäudeflächen.
Erschreckende Unfallzahlen
In den letzten sieben Jahren gab es im Bereich des Uniklinikums insgesamt 35 polizeilich erfasste Unfälle mit Personenschäden - fünf davon mit Schwerverletzten!
Fast immer waren PKWs beteiligt, neunmal kamen dabei Radfahrende und 14mal Fußgänger zu Schaden.
Die Landkarte zeigt: Die Unfallschwerpunkte liegen entlang der Hauptzufahrt:
Es ist nicht hinnehmbar, dass gerade auf einem Klinikgelände solche Gefahren für Personen lauern.
Mit dem Bau des geplanten Zentralklinikums steigt der Baustellenverkehr – und damit auch die Dringlichkeit, die Verkehrsführung neu zu denken.
Eine Vorrangroute für Radfahrende könnte hier abhelfen:
Sie kann geführt werden (grüne Linie auf der Karte):
- hinter dem Parkhaus
- hinter der Tagesklinik, dem Hörsaalgebäude und
- den Instituten für Biochemie und Molekularbiologie vorbei
- bis zur Anatomie
- anschließend weiter als separater Radweg neben der Auffahrt zum Neuro-Zentrum,
- mit sicheren Anbindungen zu Frauenklinik, Orthopädie, Innerer Medizin und Chirurgie (Gebäudenummer 57).
Die Finanzierung wäre machbar:
Bis zu 90% der Kosten für Fahrradinfrastruktur übernimmt der Bund.
Aber die Planung braucht Zeit und kluge Köpfe, die sich die Mühe machen, an Radfahrende zu denken.
Die geplanten Neubaumaßnahmen sollten zum Anlass genommen werden, die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu verbessern.
Kontakt:
Andreas Meiser
Landesvorstand VCD Saarland
Ev.-Kirch-Str. 8, 66111 Saarbrücken
E-Mail: andreas.meiser@vcd-saar.org
Web: https://saarland.vcd.org