Radverkehr, Verkehrssicherheit

Tödlicher Radunfall in Rohrbach

Ein weißes Fahrrad gegen das Vergessen

Ein weiß lackiertes Fahrrad steht bald an der Böschung neben der L119 zwischen Rohrbach und Kirkel.

 

Wer vorbeifährt, ahnt vielleicht nicht, wie viele Gespräche, Anträge und behördliche Abstimmungen nötig waren, bis dieses stille Mahnmal dort seinen Platz fand. Ausgangspunkt war der Tod eines 77-jährigen E-Bike-Fahrers im April 2026.

 

Am Abend des 30. April 2026 verlor ein 77-jähriger E-Bike-Fahrer auf der L119 zwischen Rohrbach und Kirkel sein Leben. Die Nachricht erschütterte viele Menschen in der Region. Die genauen Umstände des Unfalls waren zunächst nicht bekannt, da die polizeilichen Ermittlungen noch andauerten. 

Der tödliche Unfall löste beim Verkehrsclub Deutschland (VCD), Landesverband Saarland, Fragen aus. Zum einen wollte der Verein mehr über den Unfallhergang erfahren. Zum anderen entstand die Idee, an der Unfallstelle ein sogenanntes Ghost Bike – ein weiß lackiertes Fahrrad – als Mahnmal aufzustellen, um für die Verletzlichkeit von Radfahrenden zu sensibilisieren und auf Gefahrenstellen im Straßenverkehr aufmerksam zu machen.

Offene Fragen zum Unfall

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Unfall auch deshalb, weil sich bereits einen Tag zuvor an nahezu derselben Stelle ein weiterer schwerer Verkehrsunfall ereignet hatte: Eine Autofahrerin kam von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Sie wurde schwer verletzt. Dies war für den VCD Anlass, die zuständigen Behörden um nähere Informationen zu bitten und eine Verkehrsschau anzuregen.

In mehreren Schreiben fragte Andreas Meiser, Vorstandsmitglied des VCD und mehrfach betroffen als Arzt und Intensivmediziner, Anwohner und täglicher Nutzer der Strecke als Fahrradfahrer auf dem Weg zur Arbeit, nach dem Stand der Ermittlungen. Er bat um Angaben zum Unfallhergang und regte an, die Verkehrssituation an dieser Stelle genauer zu untersuchen. Dabei ging es auch um die Frage, ob örtliche Gegebenheiten das Unfallgeschehen begünstigt haben könnten.

Von der Verkehrsbehörde gab es zunächst keine inhaltlichen Rückmeldungen. Die Polizei beantwortete die Anfrage dagegen später ausführlich und stellte neben allgemeinen Informationen auch Unfallstatistiken zur Verfügung, um die Meiser gebeten hatte.

Zum tödlichen Fahrradunfall konnte sie allerdings noch keine abschließende Bewertung abgeben. Das beauftragte Gutachten lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Nach dem damaligen Ermittlungsstand spreche zwar einiges dafür, dass der E-Bike-Fahrer den Unfall selbst verursacht haben könnte, endgültige Aussagen seien jedoch noch nicht möglich.

Damit blieben wesentliche Fragen zunächst offen.

Die Idee eines Ghost Bikes

Parallel zu den Bemühungen um Aufklärung verfolgte der VCD die Idee, an der Unfallstelle ein Ghost Bike aufzustellen.

Solche vollständig weiß lackierten Fahrräder erinnern weltweit an Menschen, die bei Verkehrsunfällen auf dem Fahrrad ums Leben gekommen sind. Sie sollen zum Innehalten anregen und zugleich das Bewusstsein für gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr stärken.

Die Umsetzung erwies sich jedoch als schwieriger als erwartet.

Eine erste Anfrage an den Landesbetrieb für Straßenbau wurde mit dem Hinweis abgelehnt, dass ein solches Mahnmal selbst eine Gefährdung darstellen könne. Nach weiterem Schriftwechsel wurde zwar die Möglichkeit eröffnet, stattdessen ein Holzkreuz aufzustellen. Diese Lösung kam jedoch nicht in Betracht, weil die Angehörigen des Verstorbenen dies nicht wünschten.

Eine neue Möglichkeit

Schließlich ergab sich durch beharrliches Nachforschen eine andere Lösung:

Nach Gesprächen mit dem Saarforst stellte sich heraus, dass eine angrenzende Böschung auf Forstgelände für ein Ghost Bike in Frage kommen könnte. Der zuständigen Förster unterstützte das Vorhaben und bereiteten einen Gestattungsvertrag vor. Gemeinsam sollte anschließend der genaue Standort festgelegt werden.

Damit kann die ursprünglich geplante Gedenkaktion doch noch umgesetzt werden.

Erinnerung und Verkehrssicherheit

Auch wenn zum Zeitpunkt der Korrespondenz noch nicht alle Fragen zum Unfall abschließend beantwortet waren, führte der Dialog mit Polizei, Behörden und Grundstückseigentümern schließlich zu einer Lösung für das geplante Mahnmal.

Der Schriftwechsel zeigt, welche unterschiedlichen Anliegen sich nach dem Unfall entwickelten. Einerseits stand der Wunsch nach einer möglichst umfassenden Aufklärung des Unfallgeschehens im Vordergrund. Andererseits ging es darum, einen Ort des Gedenkens zu schaffen – und für den Wunsch, dass solche Unfälle Anlass sind, über Verkehrssicherheit, gegenseitige Rücksichtnahme und den Schutz besonders gefährdeter Verkehrsteilnehmer nachzudenken.

 

Was ist ein Ghost-Bike?


Ghost Bikes (auch: Geisterrad, Mahnrad) sind komplett weiß lackierte Fahrräder, das als stilles Mahnmal dort aufgestellt werden, wo Radfahrende bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt wurden.

Neben der Funktion als Mahnmal und Gedenkort sollen die Räder auch andere Verkehrsteilnehmer für die Verletzlichkeit von Radfahrenden sensibilisieren und auf mögliche Gefahrenstellen im Straßenverkehr aufmerksam machen.

In ganz Deutschland gibt es hunderte von Ghost-Bikes. 
In manchen Städten wird jährlich eine Fahrrad-Gedenkfahrt ("Ride of Silence") zu den Mahnrädern durchgeführt.

 

zurück