Landesverband Saarland
Die vollständige Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs ist ein wichtiger Baustein für eine klimafreundliche Verkehrswende. Aus Sicht des VCD Saarland sollten dabei neben Batteriebussen auch moderne Oberleitungsbusse stärker berücksichtigt werden.
Der VCD Saarland war bei der Abschlussveranstaltung des dreijährigen Forschungsprojekts „Automatisches An- und Abdrahten bei Oberleitungsbussen auch während der Fahrt“ am 29. September 2026 in Saarbrücken vertreten.
Ronald Maltha, Mitglied des Landesvorstandes des VCD Saarland, informierte sich dabei über die technischen Entwicklungen und die praktischen Demonstrationen.
Das Forschungsprojekt wurde gemeinsam mit der Bergischen Universität Wuppertal und der DIaLOGIKa GmbH aus Saarbrücken durchgeführt. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung und Erprobung von Lösungen, mit denen Oberleitungsbusse während der Fahrt automatisch an die Oberleitung an- und abgedrahtet werden können. Ergänzend wurde eine Technologie zur aktiven Dämpfung der Bewegungen der Stromabnehmerstangen vorgestellt.
Für den VCD Saarland ist insbesondere die kontinuierliche Stromversorgung über die Oberleitung ein wichtiger Vorteil gegenüber einem rein batterieelektrischen Betrieb.
„Bei der Elektrifizierung des ÖPNV sollten wir nicht ausschließlich auf eine Technologie setzen. Trolleybusse können insbesondere auf Linien mit hohen täglichen Fahrleistungen eine interessante Alternative zu reinen Batteriebussen darstellen“, erklärt Ronald Maltha.
Während ein Trolleybus die benötigte Energie während der Fahrt unmittelbar aus der Oberleitung beziehen kann, müssen Batteriebusse ihre Energie in entsprechend großen Batterien mitführen. Reichweite, Ladezeiten und die notwendige Ladeinfrastruktur spielen deshalb bei der Planung des Busbetriebs eine wichtige Rolle.
Als Argument gegen einen umfassenden Einsatz von Batteriebussen bei der Saarbahn in Saarbrücken wird unter anderem die begrenzte Reichweite angeführt. Wenn dadurch zusätzliche Fahrzeuge erforderlich werden, um Ladezeiten und Reichweitenanforderungen im täglichen Betrieb auszugleichen, sollte nach Ansicht des VCD auch die Möglichkeit einer Oberleitungsinfrastruktur geprüft werden.
„Wenn wir ohnehin über die langfristige Elektrifizierung des Saarbrücker Busverkehrs sprechen, sollten wir alle geeigneten technischen Möglichkeiten miteinander vergleichen. Dazu gehören auch Trolleybusse“, so Maltha.
Dabei gehe es nicht darum, Batteriebusse grundsätzlich abzulehnen. Je nach Linienführung und Einsatzprofil könnten unterschiedliche Systeme sinnvoll sein. Entscheidend seien die tatsächlichen täglichen Fahrleistungen, der Energiebedarf, die Fahrgastnachfrage sowie die vorhandene beziehungsweise erforderliche Infrastruktur.
Besonders interessant ist für den VCD Saarland die Weiterentwicklung des Trolleybus-Systems durch das automatische An- und Abdrahten während der Fahrt.
Die Demonstration zeigte, dass moderne technische Lösungen den klassischen Oberleitungsbus flexibler machen können. Ein Fahrzeug kann damit auf elektrifizierten Streckenabschnitten unmittelbar Energie aus der Oberleitung beziehen und anschließend auch Abschnitte ohne Oberleitung befahren.
Das Forschungsprojekt befasste sich zudem mit der aktiven Schwingungsdämpfung für flexible Stromabnehmerstangen sowie mit der Entwicklung eines Stromabnehmers für hochdynamische Verfahren. Diese Ergebnisse wurden bei der Abschlussveranstaltung vorgestellt und am Testaufbau praktisch demonstriert.
Der VCD Saarland spricht sich deshalb für eine technologieoffene Betrachtung der zukünftigen Elektrifizierung des Busverkehrs aus.
„Die Verkehrswende braucht einen leistungsfähigen und zuverlässigen ÖPNV. Bei der Umstellung auf elektrische Antriebe sollten wir deshalb nicht vorschnell auf nur eine technische Lösung setzen. Oberleitungsbusse können dort Vorteile haben, wo hohe Fahrleistungen anfallen und eine Oberleitungsinfrastruktur sinnvoll betrieben werden kann“, sagt Ronald Maltha.
Gerade im Hinblick auf die langfristigen Investitionen in Fahrzeuge und Infrastruktur sei es wichtig, die verschiedenen Systeme hinsichtlich Energieverbrauch, Fahrzeugbedarf, Reichweite, Ladeinfrastruktur und Betriebskosten miteinander zu vergleichen.
Der VCD Saarland sieht in den technischen Entwicklungen des Forschungsprojekts einen Anlass, den Trolleybus auch im Saarland wieder stärker in die Diskussion über die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs einzubeziehen.
Ronald Maltha