Saarland

Bahn & Bus, Radverkehr, Verkehrsplanung
Landesverband Saarland

Radwegenetz im Saarland / Wo die Saar-Familien-Runde weg vom Fluss ist

SZ Saarlouiser Rundschau 18. Juli 2017 - - - - Wie attraktiv ist das Radeln an der Saar? „Sehr“, sagen Touristiker, Der Verkehrsclub Deutschland übt dagegen Kritik an den Wegen.

 

Von: Axel Künkeler

Ist es ein Streit zwischen Theorie und Praxis oder steckt mehr dahinter? Während der Verkehrsclub Deutschland (VCD) einen Ausbau von Lückenschlüssen am Saar-Radweg und eine Attraktivitätssteigerung für Bahnreisende fordert, sehen die regionalen Tourismus-Organisationen diese Kritik durch die Praxis widerlegt.

Gleichzeitig kündigen Ministerium und Merziger Touristiker eine Prüfung der Vorschläge an.

„Leider sind die Radwege an der Saar nicht überall durchgängig zu befahren“, bemängelt Erhard Pitzius von der VCD-Regionalgruppe Saarlouis/Saargau.

Ein Nadelöhr auf der rechten Saarseite liege zwischen Saarfels und Bahnhof Fremersdorf. Auf diesem Teilstück führt die „Familien-Saar-Runde“ vom Fluss weg, die Radler werden über die L?174 geführt, müssen knapp drei Kilometer entlang der viel befahrenen Straße radeln. „Das Nadelöhr ist besonders für Familien gefährlich“, sagt Pitzius.

Das schränke Akzeptanz und Attraktivität des Radweges ein. Deshalb sei der Lückenschluss entlang der Saar hier ebenso dringend notwendig wie auf der anderen Saarseite in Höhe der Nied-Mündung. Diese müsse ebenfalls entlang der Landstraße L?170 umfahren werden.

„Hier könnte eine Brücke über die Nied-Mündung für Radfahrer und Wanderer Abhilfe schaffen“, schlägt der VCD-Sprecher vor. Probleme gebe es zudem durch einige Industrieflächen wie den Hafen in Dillingen. Dort muss man auf die andere Saarufer-Seite wechseln, meist über Brücken, die auch dem Autoverkehr dienen.

Die Kritik des VCD sei schon lange bekannt, aber durch die Praxis widerlegt, sagen dagegen die Tourismus-Organisationen. „Das ist nicht ein einziges Mal als Mangel von Rad-Touristen benannt worden“, erklärt Susanne Renk, Pressesprecherin der Tourismus Zentrale Saar (TZS). Bei der Radverkehrs-Analyse 2016 sei ganz in der Nähe der „Lückenschlüsse“, an der Staustufe Rehlingen, eine Befragung erfolgt.

„89 Prozent der Befragten bewerten die gesamte Infrastruktur der Radwege im Saarland mit gut bis sehr gut“, verweist auch ihre Kollegin von der Tourist-Information des Landkreises Saarlouis, Lara Kühn, auf die positiven Ergebnisse der Analyse. In der Tourist-Info am Großen Markt in Saarlouis seien zu den vom VCD genannten „Lücken“ auf dem Saar Radweg keinerlei Beschwerden eingegangen, weder für den Bereich Dillinger Hafen noch auf der Teilstrecke Fremersdorf nach Saarfels, unterstreicht Lara Kühn.

„Begrüßt“ würde ein Lückenschluss zwischen Saarfels und Fremersdorf dagegen von Peter Klein, dem Geschäftsführer der Saarschleifenland Tourismus GmbH. Zwar lägen bisher keine Beschwerden von Radtouristen vor, dennoch werde dieser Weg von Gästen, vor allem aber von Einheimischen genutzt. „Die jetzige Streckenführung ist nicht optimal“, sagt Klein.

Die Radverbindung zwischen den touristischen Attraktionen in Beckingen (Saargarten, Fußball-Golfanlage) und Merzig (historische Altstadt) sei zwar in den letzten Jahren verbessert worden, Problem sei aber nach wie vor die Passage entlang der ehemaligen B?51. Ob ein durchgehender Radweg direkt an der Saar machbar sei, werde zurzeit von den betroffenen Kommunen erneut geprüft. „Sollte eine weitere Verbesserung technisch und finanziell möglich sein, werden wir dies gemeinsam mit den Kommunen vorantreiben“, kündigt Klein an.

Das Wirtschaftsministerium betont wiederum, dass die zuständige Lenkungsgruppe „SaarRadland“ den Lückenschluss zwischen Saarfels und Fremersdorf rechts und in Höhe der Saar abgelehnt habe. Dort verlaufe entlang der L?174 ein straßenbegleitender Radweg. Mit dem Neubau eines weiteren Weges auf der rechten Saarseite würden drei Radwege-Verbindungen  bei Saarfels-Fremersdorf parallel verlaufen. Offen zeigt sich das Ministerium dagegen für die Anregung des VCD zum Bau einer Brücke in Höhe der Nied-Mündung. Diese werde bereits in der nächsten Sitzung der Lenkungsgruppe vorgestellt und diskutiert. Gleichzeitig wird aber betont, dass der Saar-Radweg als ADFC-Qualitätsradroute bereits jetzt mit vier von fünf Sternen als ein attraktiver Radweg bewertet wird.

Pitzius, der Mitglied im VCD-Landesvorstand ist, kritisiert weiter: „Leider hat man es im Wirtschaftsministerium versäumt, den Bahnverkehr für Radtouristen attraktiv zu machen.“ Das Saarland setze falsche Anreize beim Rad- und Wandertourismus, indem es die An- und Abreise mit dem Auto bevorzugt bewerbe.

„Schon heute stoßen die regionalen Trieb-Wagen, besonders am Wochenende, an ihre Grenzen“, sagt Pitzius. Dennoch habe man in der Ausschreibung für neue Züge, die ab Dezember 2019 die Saarstrecke befahren, zu wenig auf Touristen mit Rädern und Gepäck gesetzt.

Rad-Urlauber reisen lieber mit dem Auto, sagen dagegen die Touristiker. Dennoch werde die Anreise sowohl mit der Bahn als auch mit dem Auto „gleichgewichtig vermarktet“, erklärt TZS-Sprecherin Renk. Eine Fokussierung der Vermarktung von Rad- und Wanderwegen auf die Anreise mit dem Auto kann auch Klein nicht erkennen. Vielmehr werde in der touristischen Kommunikation immer wieder auf die Erreichbarkeit einzelner Angebote mit öffentlichen Verkehrsmitteln hingewiesen. Etwa in der Broschüre „Traumschleifen Saar-­
Hunsrück“ mit der Heraushebung entsprechender Premiumwanderwege in einer Kategorie „Bahn/Bus“.

Auch das Ministerium hält dagegen: „Für die Nutzung des ÖPNV sind ausreichend Kapazitäten zur Mitnahme von Rädern bei der aktuellen Ausschreibung bedacht.“ Zusammen mit den Leistungen des Süwex, der stündlich mindestens 27 Stellplätze bietet, würden auf der Saarstrecke zwischen Trier und Saarbrücken in Kombination mit dem Stundentakt der RB 71 mindestens 45 Fahrradstellplätze pro Stunde angeboten. Von Montag bis Freitag kommen laut Ministerium auf dem Streckenabschnitt von Merzig bis Saarbrücken nochmals 18 Fahrradstellplätze dazu.

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