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Saarland, Bahn & Bus, Verkehrsplanung, Pressemitteilung

Verkehrsentwicklungsplan (VEP) rasch umsetzen

Heute stellt Ministerin Rehlinger den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) für das Saarland vor. Dieser VEP definiert das Leitbild für die Entwicklung des Verkehrs im Saarland. Wir im VCD haben ihn kritisch gelesen und freuen uns über viele positive Impulse für den saarländischen Nahverkehr (ÖPNV). Bei vielen Punkten sehen wir jedoch Nachbesserungsbedarf. Insgesamt fordern wir als VCD eine rasche Umsetzung der im VEP vorgestellten Maßnahmen.

Pressemitteilung – 23.02.2021

VCD lobt VEP und mahnt aber auch, die Verkehrswende rasch anzugehen
 

Saarbrücken, 23.02.2021. Der von der Landesregierung vorgelegte Verkehrsentwicklungsplan für das zukünftige Bus- und Bahnangebot dokumentiert aus Sicht des VCD Saar eindrucksvoll das große Potenzial für Verbesserungen im öffentlichen Verkehr.

Jetzt gilt es, den Plan rasch zu verabschieden, in die bundesweite Planung zum Deutschlandtakt zu integrieren und die aufgezeigten Maßnahmen auch umzusetzen. Die Chancen für Finanzierung und Planungsvereinfachung waren noch nie so gut wie jetzt. Mit raschem Handeln kann das Saarland die Verkehrswende zugunsten des umweltfreundlichen Verkehrs beeinflussen. So erlaubt beispielsweise das neue Investitionsbeschleunigungsgesetz des Bundes, auf vielen der noch vorhandenen saarländischen Bahnstrecken den Schienenverkehr ohne aufwändige Planverfahren in schon zwei Jahren wieder aufzunehmen. Nach dem langen Planungszeitraum für den Saar-VEP muss jetzt eine Aktiv-Phase der Umsetzung folgen - gerade im Schienenverkehr!

Der VCD begrüßt die fachliche Tiefe und Breite im Bericht zum VEP und findet viele seiner Vorschläge im VEP wieder. Dies gilt insbesondere für den Saarbrücker Bahnhof „Zoo“, an dem Regional- und Saarbahn unterhalb des Halbergs, am Saarbasar in Saarbrücken, verknüpft werden können.

Besondere Chancen bietet die Reaktivierung vorhandener Eisenbahnstrecken für den Schienenverkehr. Der VCD fordert die Reaktivierung des Schienenverkehrs von Merzig nach Losheim, im Primstal von Dillingen nach Schmelz und über die linke Saartalbahn von Saarbrücken in Richtung Großrosseln und Wadgassen. Züge können hier ohne umfangreiche und langwierige Neubauplanung in wenigen Jahren wieder verkehren. „Solche „QuickWins“ muss die Landesregierung jetzt umsetzen; das gebietet der sehr hohe Nutzen-Kosten-Faktor: Jeder investierte Euro erreicht dort nahezu eine Rendite von drei Euro“, so der VCD-Saar-Vorstand.

Der VCD fordert indes auch die Berücksichtigung des Güterverkehrs: Die wirtschaftlichen und ökologische Chancen der im VEP dargestellten Maßnahmen steigen bei Berücksichtigung des Güterverkehrs. Denn die Ansiedlung des Batteriewerkes von svolt bei Überherrn und Lebach sowie der geplante Güterumschlag in Bouzonville durch das saarländische Unternehmen Bahnlog steigern den Nutzen-Kosten-Faktor. Der VCD Saar empfiehlt daher, die Vorschläge des VEP unter Einbeziehung des zusätzlichen Potenzials des Güterverkehrs zu betrachten.

Lob erhält der vorgelegte VEP dafür, dass auch der Neubau einzelner Bahnstrecken – für Saarbahn oder Eisenbahn – und der Neubau vieler Haltepunkte untersucht worden ist.

Weitere kritische Anmerkungen:

  • Eine klare Zielsetzung zum Anteil des Bus- und Bahnverkehrs (ÖPNV) an den Verkehrsträgern insgesamt („ModalSplit“) fehlt. Hier bleibt der VEP hinter anderen Vorbildern (zum Beispiel Luxemburgs Strategie zur „mobilité durable“ von 2012/2018) zurück. Der VCD empfiehlt, für jedes VEP-Szenario / Maßnahmen stärker die Auswirkung auf den Anteil des ÖPNV am ModalSplit aufzuzeigen.
  • Der VCD erwartet, dass überfällige Maßnahmen – zum Beispiel die Verlegung einzelner Haltepunkte näher an die Siedlungskerne wie Ensdorf, Scheidt und Rentrisch – mit einer Umsetzungsfrist belegt werden.
  • Die grenzüberschreitende Dimension des Verkehrs ist zu wenig berücksichtigt. Dies gilt für den Haltepunkt Saarbrücken West in Höhe Messegelände/DFG oder die Verlängerung der Rosseltalbahn in Richtung Forbach. Hier beschränkt sich der VEP auf die rein saarländische Perspektive, obwohl grenzüberschreitende Untersuchungen teilweise vorliegen bzw. erstellt werden sollten.
  • Die Betrachtung der Punkt-zu-Punkt-Relation Saarbrücken – Luxembourg mit dem Bus steht zu sehr im Fokus. Als Bewertungsmaßstab für mögliche Verkehrsbeziehungen nach Luxembourg muss der Schienenverkehr berücksichtigt werden, der auch die Unterwegshalte komfortabel bedienen kann. Dem Schienenverkehr über Konz-Wasserbilllig oder über Niedaltdorf–Bouzonville sollte ein größerer Stellenwert eingeräumt werden.
  • Die Fahrradmitnahme im Schienenverkehr sollte rund um die Uhr kostenfrei möglich sein.
  • Die Elektrifizierungsstrategie des VEP erscheint dem VCD zu einseitig auf den Personenverkehr ausgerichtet. Netzeffekte einer durchgehenden Elektrifzierung werden außer Acht gelassen. Dies gilt für die Strecke Dillingen – Niedaltdorf – Bouzonville – Thionville, aber auch die Strecke zwischen Rohrbach und Einöd (nach Fertigstellung der S-Bahn Homburg-Zweibrücken).

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