Saarland

Safety first: „Wie Pferd, Radfahrer und Spaziergänger gut miteinander auskommen“

Reit- und Radwege sind zwar verkehrstechnisch zwei verschiedene Dinge, aber oft genug bleibt Reitern und Radfahrern nur ein gemeinsamer Weg. Ob im Wald, auf Feldwegen oder auf der Straße. Die Begegnung zwischen Radfahrern und Pferden kann für beide Seiten relativ stressfrei sein, wenn man einige Verhaltensweisen beachtet.

Pferde sind von ihrer Natur aus Fluchttiere und reagieren bei ungewohnten oder plötzlichen Geräuschen sowie bei schnellen Bewegungen in ihrer Nähe schnell nervös. Genau das kann bei Begegnungen zwischen Radfahrern und Reitern Probleme bereiten. Immer wieder kommt es daher zu Unfällen, die vermeidbar wären, wenn beide Seiten miteinander rechtzeitig kommuniziert hätten und sich Reiter und Radfahrer im Sinne des Tieres und ihrer eigenen Sicherheit verständigen.

Worauf sollte man achten?

Dazu hat sich der VCD Saarland bei Reitern im Forum von pferd.de einmal umgehört. Aus zahlreichen Rückmeldungen von Reitern wurde klar, dass Kommunikation hier das A und O ist, um aus einer Begegnung mit einem Pferd einen schönen Moment werden zu lassen und Unfälle zu vermeiden.

Reiter können nur auf Radfahrer reagieren, insbesondere wenn sich diese dem Pferd von hinten annähern, wenn sie informiert werden. Die einfachste Maßnahme: frühzeitig und nicht erst unmittelbar hinter dem Pferd klingeln. Bewährt hat es sich, rund 100 Meter vorher zu klingeln. Sollte der Reiter nicht reagieren, dann ist ein Rufen besser als ein nochmaliges Klingeln, da Pferde dann erkennen, dass sich hier ein Mensch von hinten annähert und nicht etwas Unbekanntes mit unbekannten Geräuschen, beispielsweise ein Rad mit quietschender Kette, eine laute Fahrradklingel oder Anderes.

Bei windigem Wetter, insbesondere bei Gegenwind, kann es vorkommen, dass sowohl Pferd als auch Reiter das Klingeln oder Rufen des Radfahrens nicht oder erst sehr spät wahrnehmen. Hier sollte man also eine Reaktion des Reiters abwarten.

Es gibt genug Pferde die auch mal gerne ausschlagen, wenn sie erschrecken. Dies kann man mit Ansprache (z. B. einem Ruf "Vorsicht, Radfahrer von hinten" in entsprechender Entfernung) meist vermieden werden. So macht man auf sich aufmerksam und die meisten Pferde finden Fahrradfahrer gleich weniger spannend und bleiben ruhig. Auch der Reiter hat dann immer noch die Möglichkeit zu reagieren.

Keinesfalls sollte man mit dem Fahrrad direkt hinter einem Pferd heranfahren und dort auf eine Überholmöglichkeit warten. Auch dann besteht die Gefahr das das Tier sich erschrickt und durchgeht. Beim Überholen sollte man sich nie eng am Pferd „vorbeiquetschen“. Denn das kann gefährlich werden. Besser ist es abzuwarten bis man mindestens 2 Meter Seitenabstand zum Pferd hat. Zur eigenen Sicherheit sollte man einfach langsam vorbei fahren und mit möglichst viel Abstand. Solange man nicht mit zu wenig Abstand am Pferd vorbei rast, insbesondere auch bei Pedelcs und E-Bikes, verhält man sich sorgfältig genug.

Viele Radfahrer kündigen sich jedoch nicht durch frühzeitiges Klingeln an und fahren geräuschlos aus falsch verstandener Rücksichtnahme an den Reiter heran und erschrecken dann beide beim Überholen – Pferd und Reiter.

Wenn man auf Schotterwegen fährt (meist Mountainbiker) und bergab von hinten an einen Reiter heranfährt, ist es sehr sinnvoll nicht plötzlich voll abzubremsen (mit entsprechendem Geräusch), da dieses sehr, sehr häufig auch die ruhigsten Pferde erschreckt. Gleiches gilt für quietschende Bremsen (Felge oder Scheibenbremsen). Auch dieses Geräusch kann Pferde erheblich erschrecken. Besser ist es, langsam und konstant abzubremsen und vor allem bergab entsprechend rücksichtsvoll und vorausschauend zu fahren.

Bei Rädern mit Fahrradanhängern oder herausragenden Teilen (wie zum Beispiel Zweigen) ist es auf jeden Fall empfehlenswert, als Radfahrer stehenzubleiben und zu warten bis das Pferd und Reiter dies wahrgenommen haben und man sicher vorbeifahren kann.

Hinter einem Pferd abzusteigen und zu Fuß zu gehen muss übrigens nicht unbedingt helfen. Wenn der Mensch nicht rechtzeitig handelt, können sich Pferde auch dann erschrecken. Dabei hat der Radfahrer zusätzlich das Problem, weniger schnell wegzukommen und durch das Schieben des Fahrrades auch weniger seitlichen Abstand zum Pferd einhalten zu können.

Wenn der Radfahrer erkennt, dass ein Reiter Mühe hat, sein Pferd zu kontrollieren, empfiehlt es sich vom Fahrrad abzusteigen und mit einer gewissen Distanz abzuwarten bis die Situation unter Kontrolle ist. Meist wird der Reiter dann sagen, wann und wie ohne eine Gefährdung überholt werden kann. Es ist natürlich Aufgabe der Person am Pferd, die Situation dann richtig einzuschätzen und bei Schreckhaftigkeit das Pferd rechtzeitig auf den sich nähernden Radfahrer aufmerksam zu machen.

Auch Reiter sollten einige Dinge beachten

Der Reiter sollte frühzeitig auf das Klingeln des Radfahrers reagieren.
Bewährt hat sich hier, sich beim Klingeln kurz umzudrehen und ein Zeichen zu geben, dass man den Radfahrer bemerkt hat und überholt werden kann. So weiß der Fahrradfahrer, dass alles in Ordnung ist.

Der Mensch sollte sein Pferd an solche Reize wie Fahrradfahrer gewöhnen, um die Eigengefährdung und die Gefährdung Dritter zu vermindern. Mit einem jungen Pferd ohne „Fahrraderfahrung“, sollte der Reiter eventuell an den Grasrand gehen und das Pferd einmal auf das Fahrrad aufmerksam machen.

Und natürlich meldet sich der Reiter im Gegenzug auch bei Spaziergängern oder Radfahrern mit einem Ruf „Pferd von hinten“ an, wenn er sich von hinten annähert und überholen möchte. Dabei sollte sich ein Reiter niemals Fußgängern bzw. Radfahrer von hinten im Galopp nähern, sondern erst vorbeireiten, wenn die Situation klar ist.

Die wichtigsten Regeln für eine problemlose Begegnung zwischen Radfahrern und Reitern noch einmal kurz zusammengefasst:


- Gegenseitige Rücksichtnahme
- frühzeitig bemerkbar machen (klingeln, rufen)
- ausreichend Sicherheitsabstand (möglichst 2m) einhalten, nicht „vorbeidrängeln“
- keine plötzlichen Geräusche (z.B. bremsen, klingeln, quietschende   Bremsen) unmittelbar neben oder hinter dem Pferd
- in angemessenem Tempo (Schrittempo) einander passieren
- im Zweifelsfall lieber warten und fragen

 

Auch bei Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen wie oben erwähnt, kann ein Pferd noch ausbrechen, durch eine weitere zusätzliche Störung (z.B. ein Rascheln im Gebüsch). Erfahrene Reiter wissen das jedoch und können normalerweise damit umgehen.


Fazit:
Bei der Beachtung der oben genannten Verhaltensweisen, sollte die Begegnung mit Reitern, ob als Radfahrer oder Fußgänger unproblematisch sein und im Gegenteil zu einem schönen Erlebnis werden, denn Pferde und Menschen kommen sehr gut miteinander aus, wenn man einige Regeln beachtet. Und die meisten Reiter freuen sich auch über etwas nette Kommunikation.

Ronald Maltha
VCD Saarland

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