Saarland

Landesverband Saarland

Saarland muss sich mehr für Bahnverkehr engagieren!

Mehr Engagement und Kompetenz für den Eisenbahnverkehr und einen eigenen Bahnbeauftragten im saarländischen Verkehrsministerium fordert der Berufsverband Führungskräfte Deutscher Bahnen (BF Bahnen) Bezirk Saarbrücken in einer Pressemitteilung von der Landesregierung.

„Dem Abschluss des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages müssen nun rasch nicht nur Verbesserungen für den internationalen Zugverkehr folgen, sondern auch im Schienenpersonennahverkehr der Region“, sagt Dieter Lorig, Pressesprecher von BF Bahnen Saarbrücken.
Die Bahn erwecke im Saarland zunehmend den Eindruck, sich selbst abzuschaffen. „Ein Großteil der öffentlichen Kritik, die das Unternehmen in jüngster Zeit einstecken musste, ist vollkommen berechtigt“, sagt Lorig, denn “der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf“. Was könne eine kleine Region wie das Saarland von einem DB-Vorstand schon erwarten, der das Unternehmen in einem permanenten Schlingerkurs halte.
„Marode Schieneninfrastruktur, blamable Pünktlichkeitsquoten, Ausfall von Zügen, Rückzug aus ländlichen Gebieten, aber auch der Zustand von Bahnhöfen und Gleisanlagen treiben so manchem Fahrgast die Zornesröte ins Gesicht“, gibt der BF-Bahnen Pressesprecher zu verstehen. Die Schuld für dieses Desaster nur auf die Bahn allein zu schieben, wäre zu kurz gegriffen. „Politik und Ministerialbehörden haben einen Anteil am heutigen Zustand der Bahn“, sagt Lorig. Sei es doch eine politische Entscheidung gewesen, die Bundes- und Reichsbahn 1994 zusammenzuführen und pro forma zu privatisieren. Jedoch sei der erhoffte Anstieg der Marktanteile für den Schienenpersonenverkehr im Vergleich zum Auto und Flugzeug seit 1994 bis heute mit etwa zehn Prozent kaum gestiegen.
Und dies, obwohl seither weit über 80 Mia. Euro in das Bahn-Netz investiert worden seien!


BF Bahnen Saarbrücken sieht den Rückzug der Bahn aus der Fläche, der nach der Bahnreform weiter an Tempo zugenommen hat, bis heute ungebremst! Wenn der Landeschef der Bahngewerkschaft, Ralf Damde, von einem Ausbluten des Saarlandes in punkto Eisenbahn rede, entspreche dies einerseits der Realität, heißt es in der Pressemitteilung von BF Bahnen Saarbrücken. So habe die Bundesbahn 1974 im Saarland noch etwa 11000 Mitarbeiter beschäftigt. Dagegen arbeiteten heute bei der DB AG im Saarland weniger als 2500 Mitarbeiter!
Dies entspreche einem Personalrückgang von zirka 77 Prozent. Und dies, obwohl die Zahl der Erwerbstätigen im Saarland 2018 mit über 532000 einen neuen Höchststand erreicht hat. „Logische Konsequenz des drastischen Personalabbaus bei der Bahn in den letzten Jahrzehnten, der nicht überall derart extrem stattfand, ist auch die Verlagerung der Entscheidungskompetenzen weg vom Saarland nach Mannheim, Mainz oder Frankfurt“, sagt Lorig.
Es sei scheinheilig, wenn saarländische Abgeordnete auf die Bahn schimpften, aber Entscheidungen des Landes nur abnickten, DB Regio im Saarland immer mehr Nahverkehrsleistungen wegzunehmen und einer Billigbahn mit ausländischem Mutterkonzern zuzuschustern.
Andererseits mute die Kritik des Chefs der Bahngewerkschaft im Saarland ebenfalls halbherzig. Säßen doch mit Alexander Kirchner, Klaus-Dieter Hommel sowie Regina Rusch-Ziemba gleich drei hochrangige Gewerkschaftskollegen von Damde, die zugleich EVG-Bundesvorstandsmitglieder sind, im Aufsichtsrat der Bahn und hätten so vielfältige Möglichkeiten, auf den Konzern einzuwirken.

„Die bereits zum 1. Februar 2019 erfolgte Versetzung des seit 2012 in Saarbrücken angesiedelten Bahnkonzern-Bevollmächtigten für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Jürgen Konz, ist eine weitere Schwächung saarländischer Interessen in punkto Eisenbahnverkehr“, bedauert Lorig. Nachfolger von Konz ist Dr. Klaus Vornhusen. Der soll nunmehr die Interessen der Bahn in gleich drei Bundesländern vertreten!

Zudem müsse sich die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger fragen lassen, warum sie die vom Bund 2018 zur Verfügung gestellten 106 Mio. Euro Regionalisierungsmittel nicht komplett genutzt habe? Nach Ansicht von BF Bahnen Saarbrücken hätten die verbliebenen 13 Mio. Euro in den saarländischen Schienenverkehr investiert werden können, beispielsweise für die Elektrifizierung der Niedtalbahn. Dagegen handle das Land Rheinland-Pfalz mit deutlich mehr Know-how und erfolgreicher, um den umweltfreundlichen Eisenbahnverkehr zu stärken, heißt es weiter in der Pressemitteilung von BF Bahnen Saarbrücken. So erreichte das Nachbarland 2018, dass die Bahn dort 260 Millionen Euro in das Schienennetz und Bahnhöfe investiert habe, während für das Saarland im selben Zeitraum lediglich etwa 40 Mio. Euro übrig geblieben seien.


Dieter Lorig, Pressesprecher BF Bahnen Saarbrücken

 

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